Pflegeleichte Blumenwiesen: gibt es das? - 01. August 2020

Fast täglich erhalten wir Anfragen für Blumenmischungen: das ganze Jahr über sollen sie blühen, attraktiv für Bienen sein, wenig Arbeit bereiten, und im nächsten Jahr weiterwachsen. Es ist ein bisschen wie die eierlegende Wollmilchsau: so einfach ist das leider nicht!

Die Natur weiss was sie will

Die Natur wird immer die Tendenz haben, ein Gleichgewicht zu finden. Eine Blumenwiese ist zumindest in unseren Breitengraden aber kein stabiler Zustand. Eher früher als später überwuchern schnellwachsende Pflanzen die zarten Blumen, und nach einigen Jahre würde eine solche Fläche verwalden.

Wenn man sich Heidi vorstellt die durch eine blühende Bergwiese springt, muss man sich bewusst sein, dass das ein kultivierte Nutzfläche war: erst die regelmässige Beweidung und die mehrfachen Schnitte fürs Heu bieten den Blumen nach vielen Jahren die benötigten Bedingungen. Eine wertvolle Blumenwiese ist also ein langjähriges Projekt, dass regelmässige Pflege voraussetzt!

Einjährige Mischungen: die blühende Alternative

Wer weniger Geduld hat, kann auf einjährige Blumenmischungen setzen. Hierzu wird im Frühjahr ein Saatbeet vorbereitet, damit die oftmals schwachwachsenden Blumen überhaupt eine Chance haben.  Je nach Unkrautdruck muss in der Startphase gejätet werden, damit sich die Blumen etablieren können. In bestehende Wiesen/Rasen säen funktioniert nicht, da das Gras zu konkurrenzstark ist.

Obwohl ein grosser Teil der Blumen versamen wird, ist es schwierig, eine solche Mischung über mehrere Jahre zu erhalten. Der Grund ist wiederum der Unkrautdruck: im nächsten Frühjahr müsste sehr aufwendig gejätet werden, damit das Unkraut nicht Überhand nimmt - und im Keimstadium die gewünschten Blumen zu erkennen und nicht zu beschädigen ist nicht ganz einfach! Aus diesem Grund ist es oft am einfachsten, ein neues Saatbeet zu bereiten und frisch anzusäen.

Einheimisch oder nicht?

Seit einigen Jahren stellen wir fest, dass GärtnerInnen vermehrt "einheimische" Blumenmischungen verlangen. Das ist natürlich gut gemeint, sollte aber aus meiner persönlichen Sicht nicht ein pauschales Ausschlusskriterium sein. Um es vorweg zu nehmen: natürlich kämpfen auch wir gegen invasive Neophyten, die in der Natur nichts zu suchen haben.

Aber viele nicht-einheimische Arten dürfen aus meiner Sicht durchaus in Blumenmischungen vorkommen - sofern sie für den Garten bestimmt sind und nicht für Renaturierungen. Ohne Sonnenblumen, Kalifornischem Mohn, Kapuzinerkresse, Ziertabak oder Mexikanischem Sonnenhut wäre es doch ein bisschen trauriger im Garten. Und wer schon beobachtet hat wie sich Bienen und Hummeln an Agastache oder Schlafmohn freuen, der sieht, dass diese Arten auch Insekten einen Mehrwert bieten können. Mit dieser Einstellung kann man artenreichere Mischungen zusammenstellen, die über den ganzen Sommer in viele Farben bieten.

Im Nutzgarten sind viele Gemüsearten erst nach der Entdeckung Amerikas aufgetaucht: Tomaten, Bohnen, Kürbisse, Mais, Kartoffeln, uvm. Diese Arten bringen uns eine beeindruckende Vielfalt, ohne dass wir uns je über ihre Herkunft aufregen würden. Bei den Blumen habe ich persönlich eine ähnliche Einstellung und bin für Neuheiten durchaus offen, sofern sie nicht invasiv sind!

Fazit

Wie so oft muss man auch beim Thema "Blumenwiese" Kompromisse eingehen. Eine artenreiche, mehrjährige Blumenwiese ist das Nonplusultra, erfordert aber viel Zeit, Hingabe und Pflege.

Wer sich einfach an der Blütenpracht erfreuen will, offen für Artenvielfalt ist und nicht allzu viel Arbeit will, fährt auch mit einer einjährigen Blumenmischung gut, wie zum Beispiel dem "Gartentraum" oder der bienenfreundlichen Mischung "Nectar Plus".

Tulipan Zollinger